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Aeroclub Aviators e.V.

 
 
 

Hallo liebe AN-2 Freunde,

der Beitrag „Auf dem Weg zum Flugplatz“ findet heute seine Fortsetzung. Allerdings im Stilmittel eines Quentin Tarantino Erzählstiles. Das Treffen der zwei Crewmitglieder auf dem Weg zum Flugplatz wird nun aus der zweiten Perspektive erzählt. Viel Spaß….

 

Samstag morgen 05:30 und das Handy weckt mich mit dem Top-Gun-Anthem. Ja, ein heftiges Klischee, doch zum Wecken für mich ideal, da ich sowieso mit den ersten leisen Tönen erwache.
Jetzt folgt der typische Ablauf wie an jedem normalen Arbeitstag auch, Kaffee kochen, duschen, Zähne putzen,
rasieren, anziehen und wieder in die Küche. Jetzt gibt es in Ruhe einen Kaffee auf der Terrasse und ich lausche dem Morgenkonzert der Vögel.

06:15. Zeit zum Aufbruch. Klamotten geschnappt, kleine oder große Tasche die ich bereits am Vorabend gepackt hatte, je nachdem wie lange wir weg sind und ab ins Auto. Noch kurz beim Bäcker ran und ein / zwei belegte Brötchen geholt. Weiter geht’s nach Veddel, wo ich mich mit
einem Crewkumpel treffe.

Im Radio dröhnt meist Musik der härteren Art, Metallica, AC/DC, Disturbed oder so, damit man richtig wach wird.
Stau gibt es am Samstag und um diese Uhrzeit zum Glück keinen, anders als auf meinem werktäglichen Weg zur
Arbeit, der ebenfalls hier entlangführt.

Heute fahre ich vorher ab und stelle mich auf die übliche Warteposition am alten Veddeler Zollamt.
Ich knabbere noch an meinem Brötchen, als auch schon mein Kumpel auf den Platz rollt.
„Moin Keule. Alles klar?“ „Jou!“  „Na dann.“
Eine typisch norddeutsche, innige und sehr freundschaftliche Begrüßung eben.

Und schon geht es weiter, frei nach der Beasty Boys Hymne „No Stop till … Neustadt-Glewe“.
Die nächsten 120km sind geprägt vom Austausch von Neuigkeiten bei unseren Arbeitgebern und tatsächlich auch
dienstlichen Sachen. So passierte es nicht nur einmal, dass einer von uns von anstehenden Projekten berichtete,
natürlich eher oberflächlich, man dann Parallelen fand und sich gegenseitig Tipps oder Verbindungen geben
konnte. Das hilft natürlich uns und auch unseren Firmen. Kommunikation ist alles.

Ansonsten ist unsere Unterhaltung auf der gut einstündigen Fahrt geprägt von Gesprächen, welche einem Monty-Python-Stück
alle Ehre machen würde. Schon ist die Ausfahrt Neustadt-Glewe nur noch 2km entfernt wie uns das Schild zum Autohof sagt.

„Passt auf, da vorne steht oft ein Blitzer, mach mal etwas langsamer.“
„Ui ,stimmt.“ Jupp, da war er. Doch bei uns blieb die Lampe kalt und wir fahren ab in Richtung Flugplatz.Noch 2 mal links und einmal rechts, dann eine Kombination aus 3 links Kurven und schon stehen wir vor dem Vereinshaus der Neustädter Adler, welches wir mit nutzen dürfen.

Kurze Begrüßung. Lange nicht gesehen! Kaffee?
Logo!  Kaffee und das Frühstück müssen sein. Parallel findet auch schon gleich der Austausch der letzten Neuigkeiten
aus Familie, Firma und Rentenzeit statt, Smalltalk eben.

Der „Chef“ beginnt das Briefing, während der Frühstückstisch abgeräumt und das Geschirr abgewaschen wird. Das mag in manchen Ohren sehr unprofessionell klingen, wird aber durchaus mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Aufmerksamkeit durchgeführt. Nicht nur Frauen können Multitasking, Männer auch…….wenn sie wollen. Der Pausenraum ist aufgeräumt und sauber. Also Sachen geschnappt und ab zum Flugzeug.
Meist hat unsere „Vorhut“ bereits am vorigen Abend alles Nötige beladen und Verankerungen und Abdeckungen
sind bereits entfernt. Bleibt das Motor drehen, um noch den letzten Rest Öl aus den Zylindern zu entfernen.
Im Cockpit wird noch mal der Flugweg abgeglichen und Wetterdaten eingeholt, letzten Vorflugchecks werden
abgeschlossen.

„Alle an Bord?“
„Jo, bis auf Posten.“

Der Posten steht beim ersten Anlassen seitlich rechts vor der Maschine, für den Fall das doch einmal etwas aus dem
Auspuff kommt was da nicht rauskommen soll. Er guckt auch gleich, ob und wieviel Öl doch noch aus dem Auspuff
kommt. Das ist übrigens ganz normal und nicht besorgniserregend. Das Öl hat sich während der Standzeit in den
Auspuffrohren gesammelt. Darum auch immer unsere bekannte Colaflasche die unter dem Motor hängt. Nun, da es
warm wird, spritzt es, dem heißen Luftstrom folgend, aus dem Auspuff auf die untere rechte Tragfläche und den
Rumpf. Der Posten beobachtet auch das ausrollen aus der Parkposition nachdem der Motor warm genug ist und
springt dann als letzter rein.

Es ist 0900 Uhr und wir rollen zum Startpunkt, drehen auf die Bahn und schon gibt der Pilot den 1000 Pferden die
Sporen. Das Spornrad knallt ein paar Mal deutlich vernehmbar in den ausgefederten Anschlag, das Heck hebt sich und Millisekunden später ist unsere Annuschka auch schon in die Luft. 

Wir steigen auf ca. 1500Fuß also ungefähr 500m und überfliegen das erwachende Land. Wir sind alle schon öfter
geflogen, nicht nur mit unserer AN2, auch beruflich mit „den Großen“ oder privat mit „den Kleinen“, doch dieser
Anblick ist jedes Mal grandios. Ob die bunten Felder; teilweise in einem herrlichen Rapsgelb; kleine Dörfer oder
Städte, Autobahnen und fast abgelegene Häuser, wenn es sowas in Deutschland überhaupt noch gibt. So manches Mal
habe ich mir schon überlegt, was die da unten wohl jetzt denken. Ist es das etwas Neidische „Da oben wäre ich jetzt
auch gern.“ oder „Was treiben die Bekloppten um die Zeit schon da oben?“ oder doch eher „Verdammter Fluglärm“?

Den schönsten Blick, finde ich zumindest, hatten wir, als es Richtung Westen nach St. Michaelisdonn ging.
Von Neustadt-Glewe Kurs 270°, direkt West. Bei der Pflichtmeldung an den Tower in Hamburg, fragte uns der diensthabende Controller, ob
ein sogenannter Low-Pass möglich wäre. Eigentlich bei uns eher zwiespältig gesehen, kostet doch der zusätzliche Schlenker zum Flughafen und anschließende Steigflug nach dem Low-Pass nur zusätzliches Benzin. Egal, an diesem Tag wollten wir uns, den Angestellten des Flughafens und
natürlich auch den bestimmt schon anwesenden Spottern einfach mal einen Gefallen machen.

Also abdrehen nach Norden mit einem hervorragenden Blick auf die östlichen Vororte Hamburgs. Nach Anweisung
vom Tower eindrehen auf die Landebahn 23, also neuer Kurs 230°, sinken gemäß Sichtflugregeln.
Es dauert etwas, bis das ungeübte Auge die Bahn erkennt, lange nachdem unser Pilot sie in der Ferne bereits erspäht
hat. Wir sinken weiter. Im Funk ist die Kommunikation des Towers mit dem Flugzeug, welches sich noch weit hinter uns befindet, zu hören.

„Number two to land, slow flying aircraft for lowpass upfront. Type of aircraft AN2. Reduce speed.”

Die Einfluglampen sind erreicht, mit maximaler Geschwindigkeit, ca. 170km/h, brettern wir in gut 50m über die Bahn.
170km/h klingt sehr schnell, ich bin aber erstaunt wie lang die gut 3km der Bahn auf einmal wird.
Wir sind auf Höhe des Towers, ziehen in einer steigenden Linkskurve hoch am Tower vorbei.

„JulietHotel, vielen Dank dafür. Eine AN2 sehen wir hier sehr selten. Kurs 180° und sie frei über den Hafen und dem Nordufer der Elbe folgend Richtung Whisky 1. Nach verlassen der Kontrollzone frei zum Verlassen der Frequenz und Transponder VFR. Schönen Tag und nochmal Dankeschön.“ Die Anweisung wird pflichtgemäß nochmal zurückgelesen und wir verabschieden uns mit einem „Bitte. Haben wir gerne gemacht. Schönen Tag“

„Speedbird xxx cleared to land 23.“

Wir fliegen über die Stadt, links die Außenalster, vor uns glänzt das Band der Elbe. Wir drehen über dem Fluss nach
Westen. Rechter Hand Blankenese, Links das Airbuswerk in Finkenwerder.
Wir fliegen auf der Grenze zwischen Niedersachsen und Schleswig-Holstein, überfliegen kleine Segelboote, die Fähre
Glückstadt – Wischhafen, ein paar große Containerschiffe.

Kurz bevor wir in Brunsbüttel Kurs auf den Platz St. Michaelisdonn nehmen, sehe ich auf einer Sandbank der langsam
durch die Tide trockenfallenden Elbe, ein paar Seehunde die zu uns herauf sehen.
Rechtskurve an der Schleuse Brunsbüttel vorbei, etwas dem Kanal folgen und dann links in den Queranflug.
Meldung an den Platz „Delta Fox Whisky Juliett Hotel, Guten Morgen, linker Queranflug 26“
„Moin Juliet Hotel. Verstanden kein weiterer gemeldeter Verkehr.“
„Juliet Hotel“, was soviel bedeutet wie: Wir haben verstanden!

Eine letzte Linkskurve, wir sinken der Landebahn entgegen, auf der wir Sekunden später butterweich aufsetzen.
Abbremsen, abrollen, den Anweisungen des ansässigen Einweisers folgen, Motor abstellen.

Vielleicht hat sich der Ein oder Andere mal gefragt, warum wir beim Rollen schon die Tür öffnen. Nun, das hängt
zusammen mit der etwas rustikalen Klimatechnik unserer russischen Dame. An den Tragflächen, nahe am Rumpf,
sind jeweils links und rechts eine Hutze montiert. Durch diese Hutzen wird Frischluft in die Kabine geleitet, allerdings nur sogenannte
Stauluft. Also funktioniert unsere „Klimatisierung“ nur wenn sich das Flugzeug halbwegs schnell bewegt. Wenn wir normal rollen, wird es sehr schnell stickig und in warmen Sommern sogar recht unangenehm warm. Also Tür auf und sowohl Flugzeug als auch Crew durchlüften. 

Flugzeug abstellen, Stand aufbauen. Der Flugtag kann beginnen. 

 

Eure An-2 Crew

Nächster Termin

Zur Zeit keine Termine!

Kontakt

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Flugplatz 1
19306 Neustadt-Glewe

Telefon: 0171 – 10 37 055
E-Mail: info(a-t)aeroclub-aviators.de